Der hessische Finanzminister Weimar (CDU) mahnt zur Besonnenheit: “Wenn man sich dann hinstellt und sagt, bei mehr als 1,4 Milliarden Gesamtmitteln für den laufenden Betrieb 30 Millionen Euro zu sparen wäre der Untergang des Abendlandes, dann entgegne ich: Das ist nicht o.k.” [Hessische Rundfunk]
Das Abendland wird nicht untergehen, der Bildungsstandort Hessen aber vielleicht schon. Die ohnehin chronisch unterfinanzierten Hochschulen, die ohnehin durch steigende Energiekosten und Tarifabschlüsse und nicht zuletzt immer mehr Studierende führten schon in den letzten Jahren zu Engpässen. Die von Weimar im verlinkten Artikel angesprochenen 1,5-prozentige Erhöhungen in den letzten drei Jahren ist waren allein durch die Inflationsrate effektiv Nullrunden. Die kommenden doppelten Abiturientenjahrgänge 2011 in Bayern und Niedersachsen würden auch ohne Kürzungen zu einer schlechteren Betreuung der Studierenden führen.
Investitionen in den Bildungsbereich sind laut einer OECD-Studie (Die OECD hat auch die vielbeachtete “Pisa”-Studie durchgeführt) auch wirtschaftlich gesehen eine hervorragende Investition in die zukünftige Wirtschaftsleistung. Allein aus diesem Grund sollte jeder Partei die Bildung eine Herzensangelegenheit sein. Die maue Begründung der Landesregierung, das es eine Sparzwang gäbe, dem man leider nicht ausweichen kann zeigt also nur ein: Erschreckende Kurzsichtigkeit. Und die nächste Krise ist vorprogrammiert.
“Dann soll sich halt die Wirtschaft an der Finanzierung der Hochschulen stärker beteiligen” – vielleicht ist die stärkere Abhängigkeit der Hochschulen von Drittmitteln das eigentliche Ziel, welches die Landesregierung verfolgt. Dies bedeutet eine endgültige Unterhöhlung der kritischen Wissenschaft, die eben unabhängig und frei sein soll. Unabhängig und frei kann aber nur sein der auch die finanziellen Mittel ohne Wenn und Aber zur Verfügung gestellt bekommt.
Gerade im medizinischen Bereich ist das heute schon hochproblematisch. Erklärungen von Interessenkonflikten unter Artikeln über Medikamentenstudien die länger sind als der Artikel selbst gehören heute schon fast zum Alltag. Was aber wenn ganze Institute nur noch dank “großzügiger Spenden” über Wasser gehalten werden können?
Genug der theoretischen Überlegungen, ich gehe jetzt demonstrieren! Wir sehen uns in Wiesbaden!